Choosing a Service Format That Actually Fits
Veröffentlicht am 15. Oktober 2024 | Lesezeit: ca. 6 Minuten
Die operative Restrukturierung nach dem StaRUG stellt produzierende Unternehmen vor die Aufgabe, ihre Lieferketten nicht nur zu analysieren, sondern gezielt neu auszurichten. Ein Sanierungsplan, der die Supply Chain einbezieht, muss konkrete Abhängigkeiten benennen und Maßnahmen zur Risikominimierung vorsehen. Im Mittelpunkt steht die Frage: Welche Zulieferer sind systemrelevant, und wie kann die Betriebskontinuität auch bei Ausfällen gesichert werden?
Ein typisches Vorgehen beginnt mit der Bewertung aller direkten und indirekten Lieferanten nach Kriterien wie Liefertreue, finanzieller Stabilität und geografischer Konzentration. Unternehmen, die beispielsweise 80 Prozent ihrer Vormaterialien aus einer einzigen Region beziehen, müssen im Sanierungsplan alternative Bezugsquellen oder Lagerhaltungsstrategien darlegen. Das StaRUG verlangt hier keine pauschale Diversifizierung, aber eine nachvollziehbare Risikoanalyse und konkrete Handlungsoptionen.
Ein Fallbeispiel aus der Praxis: Ein mittelständischer Maschinenbauer stellte fest, dass sein Hauptlieferant für Gussteile kurz vor der Insolvenz stand. Statt sofort den Lieferanten zu wechseln, wurde ein gestaffelter Plan umgesetzt: kurzfristig eine Rahmenvereinbarung mit einem Zweitlieferanten, mittelfristig die Entwicklung einer alternativen Fertigungstechnologie. Der Sanierungsplan dokumentierte diese Schritte und band die Geschäftsführung in regelmäßige Berichtspflichten ein. Das Unternehmen konnte so eine Betriebsunterbrechung vermeiden und die Kreditlinien der Hausbank stabilisieren.
Neben der operativen Ebene spielen vertragliche Absicherungen eine zentrale Rolle. Im Sanierungsplan sollten Klauseln zu Höherer Gewalt, Mindestabnahmemengen und Kündigungsfristen überprüft werden. Auch die Einrichtung eines Frühwarnsystems für Lieferkettenrisiken – etwa durch monatliche Liquiditätsabfragen bei kritischen Zulieferern – ist ein praktisches Instrument, das das StaRUG indirekt fordert. Die Dokumentation dieser Maßnahmen schafft Transparenz gegenüber Gläubigern und Aufsichtsorganen.
Abschließend gilt: Eine Sanierungsplanung, die die Lieferkette ausklammert, bleibt unvollständig. Wer frühzeitig Abhängigkeiten identifiziert und Alternativen skizziert, erhöht nicht nur die Erfolgswahrscheinlichkeit des Sanierungsverfahrens, sondern vermeidet auch persönliche Haftungsrisiken für die Geschäftsführung. Der Aufwand lohnt sich – besonders in Branchen mit langen Vorlaufzeiten und spezialisierten Zulieferstrukturen.